Auf der Suche nach dem Ostermenü

18.03.2021

Ostern rückt näher. Doch anders als in den vergangenen Jahren wird es mit dem Osterurlaub wohl eher schwierig. Und ob man an den Osterfeiertagen in ein schönes Restaurant gehen kann, um ein Festtagsmenü zu genießen, das ist eher fraglich. Da möchte man doch zumindest an den Feiertagen etwas Besonderes. Was liegt da näher, selbst zum Kochlöffel zu greifen und die Familie und sich selbst mit einem außergewöhnlichen Menü zu verwöhnen? Lesen Sie, was einer unserer Kollegen auf dem Weg zu diesem Menü gefunden hat.

Lange habe ich mich geweigert, die Realität zu akzeptieren, aber nun muss es wohl sein: Der Osterurlaub fällt ins Wasser. Aber etwas Besonderes möchte ich dann doch an den Osterfeiertagen machen. Wie wäre es denn damit, ein feines Menü zu kochen? Etwas anderes bleibt einem ja schon gar nicht. Aber dann muss nicht nur das Endergebnis, also das Essen, etwas Besonderes sein. Nein, auch die Zubereitung soll besonders sein. Also schnell die Kochbücher her, um sich Ideen und Anregungen zu holen. Ich mache es mir mit dem Stapel auf dem Sofa gemütlich.

Der Stapel ist erstaunlich hoch, doch schon bald erregt ein unscheinbares kleines Büchlein mit seinem fleckigen Einband und den vergilbten Seiten meine Aufmerksamkeit. Das Buch muss wohl schon meiner Großmutter gehört haben. Doch nach dem Titel ist es noch viel älter: „Die selbst belehrende Köchin“, erschienen 1844 im Verlag der C.H.Beck’schen Buchhandlung Nördlingen.

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Der Titel und der Untertitel („Eine deutliche Anweisung nahrhafte und wohlschmeckende Speisen auf eine gesunde, schmackhafte und sparsame Art zu bereiten“) lässt mich hoffen, hier Rezepte zu finden, die ich auch nachkochen kann. Doch schon wenige Seiten weiter kommen mir erste Zweifel: Dort steht unter der Überschrift „Zergliederung des bayerischen Maaßes und Gewichts, nebst einer vergleichenden Darstellung mit dem der anderen deutschen Staaten“ eine zweiseitige Tabelle mit diversen Maßeinheiten, Mengenangaben und heute unüblichen Bezeichnungen. Ich lerne, dass der Föderalismus nicht erst zu Corona-Zeiten Probleme macht, weil keiner mehr weiß, welche Einschränkungen in welchem Ort gelten. Auch schon vor 180 Jahren hat er zu einem ziemlichen Kuddelmuddel bei den Maßeinheiten geführt.

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Ich blättere weiter und finde Anweisungen zum Erstellen von Fleischbrühen, Bouillons und weiteren Suppen. Langsam lese ich mich in die altertümliche Sprache ein und gerate immer tiefer in eine Beschreibung ganz ursprünglichen Kochens. Hier wird nicht auf irgendwelche Instant-Gemüsebrühen, lösliche Soßen oder Gewürzmischungen zurückgegriffen. Hier wird alles selbst gemacht! Manches mutet archaisch an (Beschreibung beim Hasenbraten: „Der Hase wird einige Tage in halb Wasser, halb Essig eingebeitzt, dann gehäutelt und mit geräuchertem Speck gespickt.“), manche Anweisung bleibt für den modernen, mittelmäßig begabten Koch, recht vage. So fehlen alle Angaben über Temperatur und Garzeit. Die selbstbelehrende Köchin hat so etwas früher offensichtlich nicht gebraucht.

Nach zwei Stunden des Schmökerns bin ich immer noch nicht weiter. Ich habe vieles über den Umgang mit Lebensmitteln und den Speiseplan vor 180 Jahren gelernt. Für ein Ostermenü konnte ich mich nicht entscheiden. Kurz noch einen Blick ins Register am Ende des Buches. Vielleicht steckt dort die zündende Idee. Doch ich blättere zu weit: Die allerletzte Seite enthält Anzeigen für weitere veröffentlichte Werke aus dem Verlag. Ein Titel ist markiert und sticht mir direkt ins Auge: „Die Kunst guten Kaffee zu bereiten, nebst Anweisungen zur Verfertigung verschiedener schicklicher Bäckereien zu diesem Getränke. Ein nützliches Geschenk für Frauenzimmer.“ Das klingt nach einem hochaktuellen Titel. Morgen werde ich nachsehen, ob meine Großmutter auch dieses Buch besessen hat. Vielleicht mache ich an Ostern ja einen Kaffee-Event. Für heute habe ich genug und lege das Büchlein weg.

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