Das war und ist vor allem in der momentan außergewöhnlichen Lage keine Selbstverständlichkeit

19.01.2021

Die Deutsche Bibelgesellschaft bringt mit der BasisBibel eine vollständig neue Bibelübersetzung heraus. Wir sprachen mit Volker Mehnert, dem Herstellungsleiter der Deutschen Bibelgesellschaft über dieses außergewöhnliche Projekt.

CHB: Aus welchen Gründen haben Sie eine neue Bibel mit neuer Ausstattung und neuer Typografie herausgebracht?

Volker Mehnert: Bereits vor knapp 20 Jahren äußerten Mitarbeiter aus der Evangelischen Jugendarbeit, dass die verfügbaren Bibelübersetzungen für junge Menschen nicht mehr ausreichend sind. Sie wünschten sich eine neue Übersetzung, die einerseits möglichst genau ist, andererseits den Lesegewohnheiten junger Menschen entgegenkommt, das heißt kurze Sätze und eine klare und prägnante Sprache. 2003 begann die Deutsche Bibelgesellschaft dann mit der Übersetzung der BasisBibel – zunächst nur mit dem Neuen Testament und ab 2010 dann auch mit den Psalmen. Die Art, wie wir Texte lesen, hat sich bis heute durch Messenger-Dienste, Online-Berichterstattung und Social Media weiter verändert: Wir werden jeden Tag mit einer großen Menge an Texten konfrontiert. Wir lesen schneller, während die Bereitschaft für ein intensives Lesen eher abnimmt. Die Übersetzung der BasisBibel legt daher besonderen Wert auf Verständlichkeit. Damit sich die verständliche Sprache auch lesefreundlich präsentiert, waren neue typografische und gestalterische Lösungen notwendig.

CHB: Was sind die Besonderheiten der neuen Bibel?

Volker Mehnert: Die Sätze der BasisBibel sind in der Regel nicht länger als 16 Wörter und umfassen einen Haupt- und höchstens einen Nebensatz. Die Informationen innerhalb eines Satzes sind außerdem klar nacheinander angeordnet. Daher gibt es zum Beispiel auch keine Schachtelsätze. Diese Besonderheit spiegelt sich in der Typografie wider. In der sogenannten Komfortausgabe wird jede Sinneinheit innerhalb eines Satzes auf einer eigenen Zeile wiedergegeben. Dadurch lässt sich der Inhalt schneller erfassen und verstehen – der Text liest sich wie ein Gedicht. Außerdem bietet die BasisBibel auf jeder Seite Erklärungen zentraler biblischer Begriffe wie „Gnade“, „Reich Gottes“ oder „Messias“ in der Marginalspalte. Im Bibeltext sind diese Begriffe dann farblich abgehoben.

CHB: Welche Zielgruppe haben Sie damit im Blick?

Volker Mehnert: Die BasisBibel soll es vor allem jungen Menschen leicht machen, die Texte der Bibel zu lesen und zu verstehen. Das Gleiche gilt für Menschen, die sich mit der traditionellen Sprache der Bibel schwertun und auf Erklärungen typischer Bibel-Begriffe angewiesen sind. Wir merken aber auch, dass die BasisBibel mit ihrer klaren und unkomplizierten Sprache Menschen aller Altersgruppen anspricht und begeistert.

CHB: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit der Druckerei C.H.Beck empfunden?

Volker Mehnert: Die geschäftlichen Beziehungen zwischen der Deutschen Bibelgesellschaft und der Druckerei C.H.Beck bestehen ja schon seit vielen Jahren, sodass zum einen eine hohe gegenseitige Kenntnis über die Produkte und die Anforderungen im Dünndruckbereich vorhanden ist und zum anderen eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit aufgebaut werden konnte. So wie zuletzt schon bei der Produktion der neuen Lutherbibel in den Jahren 2016 und 2017 bewährte sich diese Zusammenarbeit nun auch bei der neuen BasisBibel. Gemeinsam wurde geschaut und ausprobiert was technisch möglich ist, sodass letztendlich alle unsere, sicherlich nicht ganz einfachen Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die Materialien und Ausstattung umgesetzt werden konnten. Von daher will ich mich an dieser Stelle einfach auch ganz herzlich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Druckerei C.H.Beck bedanken, die an der Umsetzung und Produktion der BasisBibel mitgewirkt haben und mit ihrem Einsatz dazu beigetragen haben, dass die Ausgaben so qualitativ hochwertig und termingerecht fertiggestellt wurden. Das war und ist vor allem in der momentan außergewöhnlichen Lage keine Selbstverständlichkeit und war sicherlich auch nicht immer ganz einfach.   

CHB: Wie lange war die Vorlaufzeit für dieses Projekt?

Volker Mehnert: Als erster Meilenstein erschien im Jahr 2010 zunächst die Ausgabe mit dem Neuen Testament und ab 2012 dann zusätzlich die Ausgaben mit den Psalmen.  Diese Ausgaben zeichneten sich schon damals durch die außergewöhnliche und prägnante Außengestaltung mit dem durchgehenden weißen Kreuz, dem partiellen Farbschnitt und der bis dahin bibeluntypischen Innentypografie aus. Nach dem überwiegend positiven Echo auf diese Ausgaben wurde verstärkt von vielen Seiten der Wunsch nach einer sogenannten „Vollbibel“ geäußert, also einer Bibel in der auch das Alte Testament enthalten ist. Denn nur so hat die BasisBibel auch eine Chance, dass sie zum Beispiel in Schulen und im Konfirmandenunterricht verwendet wird. So wurde 2012 der Entschluss gefasst das Alte Testament für die BasisBibel neu zu übersetzen. Mit dem Erscheinen der Vollbibel jetzt im Januar 2021 findet also rein inhaltlich – seit dem ersten Wunsch zu einer neuen Bibelübersetzung im Jahr 2000 – die Arbeit von gut 20 Jahren ihren Abschluss. Die Vorlaufzeit für die konkrete herstellerische Arbeit mit den ersten Überlegungen zu einer angepassten Innentypographie für die Vollbibel betrug gut fünf Jahre. Die intensive Beschäftigung zur Ausarbeitung der Ausgaben in Bezug auf Gestaltung und Ausstattung sowie die Satzarbeiten nahm die letzten beiden Jahre in Anspruch.

CHB: Welche Aufgaben mussten in dieser Vorlaufzeit bewältigt werden?

Volker Mehnert: Novum und Herausforderung bei den Satzarbeiten war die parallele Bearbeitung der beiden unterschiedlichen Satzvarianten, die es so auch bei der Deutschen Bibelgesellschaft noch nie zum Erscheinen einer neuen Bibelübersetzung zeitgleich gab. Denn hätte man in der bestehenden großzügigen Typografie, mit dem Satz in Sinnzeilen und dem bestehenden Format der bisherigen Ausgabe mit Neuem Testament und Psalmen auch die neue Vollbibel umgesetzt, so hätte sich ein geschätzter Umfang von ungefähr 4000 Seiten ergeben. Von daher waren für die Vollbibel neue Überlegungen hinsichtlich Typografie, Format und Ausstattung anzustellen. Da eine Aufteilung der Bibel in mehrere Bände keine Option war, sind nach umfangreichen Überlegungen und Vorarbeiten zwei Ausgaben-Varianten festgelegt und ausgearbeitet worden, um den Seitenumfang deutlich zu reduzieren und damit auch besser verkäufliche Ausgaben zu erhalten.

Die Ausgabe die wir als „Die Komfortable“ bezeichnen, entspricht vom Satzbild her mehr oder weniger der bisherigen Ausgabe – mit dem Satz in sogenannten Sinnzeilen. Daher auch der dazu passend entwickelte Slogan „Die Bibel lesen wie ein Gedicht“. Um einen maximalen Umfang von 3000 Seiten nicht zu überschreiten wurde die Innentypografie auf ein Seitenformat eingerichtet und abgestimmt, das etwas über dem Standardformat der Lutherbibel- und Gute Nachricht Bibel-Ausgaben liegt. Durch die Verwendung eines 31g-Papiers für den Inhalt wird zudem erreicht, dass der trotzdem noch hohe Umfang dieser Ausgabe einigermaßen handhabbar bleibt.

Alternativ dazu haben wir „Die Kompakte“ entwickelt. Bei dieser Ausgabe wurde bei einem Großteil des Bibeltextes der Satz in Sinnzeilen aufgehoben und stattdessen absatzweise gesetzt. So heißt es hier dann auch sinnbildlich „Die Bibel lesen wie einen Roman“. Die Innentypografie dieser Ausgabe wurde auf ein Seitenformat eingerichtet und abgestimmt, das geringfügig über dem Format der bisherigen BasisBibel-Ausgaben liegt, um einen Umfang von maximal 2000 Seiten zu erreichen. Auch für diese Ausgabe wird ein 31g-Papier für den Inhalt verwendet, um einen kompakten Buchblock zu bekommen. Damit ist diese Ausgabe in Bezug auf das Format und auch die Buchdicke sehr nah an den bisherigen BasisBibel-Ausgaben.

Zur Bewältigung dieser so noch nicht dagewesenen „Mammutaufgabe“ war im Projektteam bei der Deutschen Bibelgesellschaft eine stetige und enge Abstimmung notwendig, um beide Satz-Varianten, unter Berücksichtigung aller technischen und organisatorischen Anforderungen, wie geplant fertig zu bekommen.

Parallel dazu galt es – in Zusammenarbeit mit der Druckerei C.H.Beck – die Ausgaben in Bezug auf die Materialien und die Ausstattung zu entwickeln. Hierzu waren zahlreiche Andrucke zur Auswahl der geeigneten Papiersorten und Farben notwendig. Zahlreiche Dummys zur Beurteilung der Formate und Umfänge wurden hergestellt, rumgereicht und beurteilt, um dann schließlich die finalen Parameter festzulegen, nach denen die Auflagenproduktion erfolgen konnte.

Letztendlich bleibt jetzt die spannende Frage, wie die neuen BasisBibel-Ausgaben von den Menschen angenommen werden und ob alle unsere Überlegungen, Abwägungen und Entscheidungen dazu richtig waren? Die Antworten darauf werden wir nach dem 21. Januar bekommen. Die aktuellen Bestellzahlen stimmen uns aber auf jeden Fall schon optimistisch.

CHB: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mehnert.

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